Torsten Renz

Torsten Renz: Bericht des Bildungsministeriums wirft mehr Fragen auf, als er beantwortet

Zum Bericht des Bildungsministeriums zu den Ergebnissen der Abiturprüfung 2026 am Robert-Stock-Gymnasium Hagenow erklärt der bildungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Torsten Renz:
 
„Nachdem wir bereits in der vergangenen Woche eine umfassende Untersuchung der Hintergründe dieser ungewöhnlichen Ergebnisse gefordert haben, hat das Bildungsministerium dem Bildungsausschuss nun einen ersten Bericht vorgelegt. Leider beantwortet dieser aber die entscheidende Frage noch nicht: Wie konnte es überhaupt zu einer Durchfallquote von rund 35 Prozent kommen? An formalen Rechtsfehlern im Abiturverfahren, an häufigen Lehrerwechseln oder außergewöhnlich hohem Unterrichtsausfall soll es laut Bericht ja nicht gelegen haben.

 Haben also vorhandene Kontrollmechanismen versagt?

 Das Ministerium zählt ein etabliertes Frühwarnsystem, zahlreiche Instrumente der Qualitätssicherung und eine regelmäßige schulaufsichtliche Begleitung auf. Wenn all diese Instrumente vorhanden sind und genutzt wurden, ist umso unverständlicher, warum sie ausgerechnet in diesem besonderen Fall nicht gegriffen haben. Das wirft Fragen auf.
 Hinzu kommt, dass das Ministerium in mindestens zwei Fächern erhebliche Abweichungen zwischen den Leistungen während der Qualifikationsphase und den Ergebnissen der Abiturprüfung einräumt. Warum dies so war, beantwortet der Bericht nicht. Warum das Frühwarnsystem nicht griff, beantwortet der Bericht ebenfalls nicht und verweist auf an mehreren Stellen auf laufende Untersuchungen.
 Dennoch werden Maßnahmen angekündigt, um gegenzusteuern, u. a. mit verbindlichen Ablaufplänen sowie einer externen Evaluation. Wie diese Maßnahmen greifen sollen, ohne die wirkliche Ursache dieser hohen Durchfallquote zu kennen, ist für mich unklar. Wann und wer die externe Evaluation unter welchen Gesichtspunkten durchführt, ebenfalls.

 Ich weiß nicht, was schlimmer ist: eine Durchfallquote von 35 Prozent, oder dass erst eine Wutrede während der Abiturfeier diese hohe Durchfallquote in das Bewusstsein des Ministeriums rückte. Auffällig ist zumindest, dass der Bericht offen lässt, wann das Schulamt oder Ministerium diese hohe Durchfallquote als überprüfenswert einstufte und Maßnahmen ergriff.  

Ganz gleich, was die weiteren Untersuchungen am Ende zutage fördern: Fest steht schon heute, dass sich ein solcher Vorgang nicht hätte ereignen dürfen. Statt die Ursachen konsequent aufzuklären, bestaunt die Landesregierung das Problem und liefert einen Bericht ab, der vor allem den Untersuchungsprozess beschreibt, aber kaum Antworten liefert. Genau darin zeigt sich ein grundsätzliches Problem: Der Linkskoalition fehlt allzu oft der Wille, offensichtliche Missstände entschlossen anzugehen und zu lösen An den Schulen fällt das besonders auf.

Unterm Strich liefert der Bericht des Bildungsministeriums mehr Fragen als Antworten. Ich sehe ihn als Sachstandsbericht an. Wirkliche Erklärungen liefert er nicht. Ich gehe deshalb davon aus, dass der Bildungsausschuss über den Untersuchungsstand fortlaufend unterrichtet wird. Die morgige Sitzung ist nur der erste Schritt.